"Was machst du denn mit DEM?"

war einmal eine leicht belustigte aber doch durchaus interessierte Frage einer Bekannten, als sie erfuhr, dass ein Freund von ihr in meinem Chor zu singen angefangen hatte. Hintergrund der Frage war, dass besagter Freund noch nicht sehr geübt im Singen war und nur wenige seiner Töne mit denen übereinstimmten, die für die Melodie des jeweiligen Liedes vorgesehen waren.

Ein notorischer Falschsänger also! Trifft keinen Ton! Was machst du denn mit DEM?

Meine Antwort war bestimmt überraschend: Gar nichts Besonderes, er darf einfach mitmachen.
Es bringt gar nichts, Menschen ständig darauf aufmerksam zu machen, was sie noch nicht können, was „falsch“ ist. Im Gegenteil, es verlängert oft den Lernweg, da es uns verkrampft und verängstigt.
Die meisten Menschen unseres Kulturkreises sind von Angst erfüllt, etwas falsch zu machen. Wir wollen uns nicht blamieren, nicht dumm auffallen, nicht schlecht bewertet werden. Wir werten uns selbst ab, finden uns hässlich, versuchen uns zu verstecken oder uns besser dastehen zu lassen. Auch in Bezug auf die Stimme lassen viele kein gutes Haar an sich, weil viele schon früh zu hören bekommen haben: „Du kannst nicht singen“ oder: „Du bist zu laut“. Kinder, die die Töne nicht treffen, werden aus dem gemeinsamen Singen ausgeschlossen, aussortiert oder angewiesen, nur den Mund zu öffnen, aber keinen Ton herauszulassen.
Und, ja klar, manche können „gut“ singen, was man nun darunter verstehen möchte. Manche haben eine volltönende oder weiche oder klare und tragfähige Stimme oder einen großen Stimmumfang oder können sich Melodien gut merken, haben gutes rhythmisches Empfinden oder emotionalen Ausdruck. Aber alle diese Fähigkeiten kann jede und jeder von dort aus, wo sie oder er steht, verbessern. Und das funktioniert nicht, wenn wir Angst haben, auch wenn es nur eine ganz leichte Angst ist oder eine Sorge. Die Angst zieht uns Konzentration von der Sache ab, mit der wir uns beschäftigen wollen und verunmöglicht es uns, die Dinge, die wir tun, zu genießen. Doch davon an anderer Stelle mehr …. [Thema Genuss](https://duckduckgo.com)
Wenn ich also singen lernen möchte, muss mir als erstes ja erlaubt sein, es zu probieren! Musik machen und insbesondere Singen ist sehr komplex. Es gibt, wie meine Aufzählung oben zeigt, sehr viele Aspekte, auf die ich meine Aufmerksamkeit richten kann, die ich verbessern kann. Und dafür brauche ich Zeit. Und da sollte mich niemand mit ständigen Einwänden oder Verbesserungsvorschlägen sowohl verunsichern als auch überfordern. 
Interessanterweise komme ich in meiner Chorarbeit auch ohne das Wort „falsch“ aus.